40 Jahre Schneideratelier in Nieder-Ramstadt: Ilonka Loncaric näht mit Herz und Humor
Im Gespräch lässt Loncaric immer wieder Erinnerungen aus vier Jahrzehnten Revue passieren und plaudert dabei gern aus dem Nähkästchen. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr eine Braut, deren Kleid kurz vor der Trauung beschädigt war: „Sie kam kurz vor dem Standesamt mit kaputtem Reißverschluss. Für einen neuen war keine Zeit. Also habe ich sie kurzerhand ins Kleid eingenäht“, erzählt sie lachend. „Ich habe ihr dann gesagt: Viel Spaß heute Nacht!“
Der Weg in den Beruf begann für Loncaric eher pragmatisch. In ihrem Heimatdorf im ehemaligen Jugoslawien habe es für Mädchen nicht viele Möglichkeiten gegeben. „Mein Vater sagte: Friseurin oder Schneiderin. So bin ich Schneiderin geworden.“ Was zunächst eine Entscheidung der Familie war, wurde im Laufe der Jahre zur Leidenschaft. „Ich liebe meinen Job. Wenn meine Kunden glücklich sind, freue ich mich genauso mit. Also, warum soll ich mir ein neues Hobby suchen, wenn ich schon eins habe? Wenn ich im Urlaub bin, vermisse ich manchmal sogar mein Geschäft.“
Als größte Herausforderung nennt Loncaric rückblickend vor allem die Bürokratie. In vier Jahrzehnten Selbstständigkeit hat sie nicht nur viele Geschichten erlebt, sondern auch Veränderungen in Branche und Gesellschaft beobachtet. So habe sich vor allem das Konsumverhalten gewandelt. „Die Leute reden viel über Nachhaltigkeit, aber gleichzeitig kaufen viele diese Wegwerfkleidung. Früher haben die Leute mehr Kleidung umändern lassen.“ Umso mehr freut sie sich über ihre treue Kundschaft: „Wenn die mir nicht die Treue gehalten hätten und immer wieder gekommen wären – bei manchen Familien inzwischen schon die dritte Generation – hätte das alles nicht geklappt. Dafür möchte ich mich herzlich bedanken.“
Bürgermeister Niels Starke würdigte beim Besuch das langjährige Engagement der Unternehmerin: „Vier Jahrzehnte ein eigenes Geschäft zu führen, erfordert Können, Durchhaltevermögen und Leidenschaft. Frau Loncaric ist ein wunderbares Beispiel für gelebtes Unternehmertum und ein fester Bestandteil unserer lokalen Wirtschaft.“
Nach 40 Jahren im eigenen Geschäft denkt die 73-Jährige noch lange nicht ans Aufhören. „Solange meine Gesundheit mitmacht, mache ich weiter“, sagt sie. Ihr Ziel hat sie dabei klar vor Augen: „Ich will die 100 machen und noch mindestens zehn Jahre schneidern!“
