2024-März Kinderbetreuung in Mühltal | Gemeinde Mühltal

Auswirkungen des Fachkräftemangels auf Kinderbetreuungseinrichtungen in Mühltal 


Der Fachkräftemangel im frühkindlichen Bereich ist ein offenes Geheimnis. Mühltal bildet hier keine Ausnahme, berichtet Katja Merten, Fachbereichsleitung Familie und Soziales in der Gemeindeverwaltung. Seit 1996 existiert der Anspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz ab der Vollendung des dritten Lebensjahres. 2013 folgte der Rechtsanspruch für Kinder ab der Vollendung des ersten Lebensjahres.

Trotz vieler Investitionen der Gemeinde zum Ausbau der Kinderbetreuung in den vergangenen Jahren kann die Gemeinde Mühltal nicht alle Betreuungsansprüche bedienen. Insbesondere im Bereich der Unter-Dreijährigen bleibt es schwierig. Ursprünglich ist man von einer Versorgungsquote von 35 % als Zielgröße ausgegangen. Es hat sich jedoch schnell gezeigt, dass der Rechtsanspruch in den letzten Jahren auch zu einem Umdenken der Eltern geführt hat. In den Lebensentwürfen der Eltern ist die frühkindliche Betreuung fest verankert und zunehmend wirtschaftlich notwendig.

Dem gegenüber steht der eingangs erwähnte Mangel an Fachkräften. Die Anzahl an Fachkräften ist zwar stetig gestiegen, jedoch auch die Anzahl an Einrichtungen zur Betreuung der Kinder. Dieses Ungleichgewicht wird sich in den nächsten Jahren laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung ohne eine Verkürzung der Betreuungszeiten nicht kompensieren lassen. Eine inhaltlich hierzu passende Berichterstattung der „Tagesschau“-Redaktion finden Sie hier:

Zum Beitrag der  Tagesschau


Die Verwaltung in Mühltal erreichen vermehrt Anfragen von freien Trägern, die um die Verkürzung der Betreuungszeiten ersuchen. Sie können ihre Betreuungszeiten nicht mehr kontinuierlich aufrechterhalten. Vier Faktoren sind dafür zu identifizieren:

  1.  Kurzfristige Personalausfälle durch Beschäftigungsverbote bei Schwangerschaft oder Langzeiterkrankungen. Diese Ausfälle können aufgrund der vorhandenen Personaldecke nicht mehr kompensiert werden. Jene Stellen sind arbeitsrechtlich nur befristet besetzbar und daher unattraktiv.
  2.  In der Kinderbetreuung ist der Anteil an Mitarbeitenden sehr hoch, die neben ihrer beruflichen Tätigkeit auch Sorgearbeit in ihrer Familie leisten. Sie bevorzugen daher Arbeitszeiten am Vormittag. Das spiegelt die hohe Quote der Teilzeitbeschäftigten in diesem Bereich wieder.
  3.  Aufgrund der hohen physischen und psychischen Arbeitsbelastung entscheiden sich immer mehr Vollzeitkräfte, ihre Arbeitszeit zu verkürzen. Berufseinsteiger/innen stellen bereits in der Ausbildung fest, dass eine Vollzeitstelle zur Überlastung führen kann. Eine Beschäftigung in Teilzeit hingegen kann eine Überlastung verhindern.
  4.  Die Krankenstände in diesem Arbeitsbereich sind um 7 Prozent höher als die bei anderen Berufsgruppen – eine Folge des erhöhten Infektionsrisikos in Kinderbetreuungseinrichtungen.

Auch in diesem Jahr hat die Gemeindeverwaltung wieder einen Entwicklungsbericht zur Kinderbetreuung zusammengestellt. Dieser soll zeitnah den gemeindlichen Gremien vorgestellt werden. Der Entwicklungsbericht liefert fundierte Einblicke in das Thema Kinderbetreuung in Mühltal.