Vom Zug zum Bus: für Blinde eine Herausforderung | Gemeinde Mühltal

Vom Zug zum Bus: für Blinde eine Herausforderung


Suzanne Petit ist Mitglied des im Jahr 2024 gegründeten Teilhabebeirats (THB) der Gemeinde Mühltal. Sie ist vor drei Jahren erblindet und sieht seitdem ihre Umgebung mit – im wahrsten Sinne des Wortes – anderen Augen. Besonders aufgefallen sind ihr Hürden rund um den Bahnhof in Traisa.

Zwar gibt es ein Dynamisches Fahrgastinformationssystem (DFI) auf dem Bahnsteig, welches auf Knopfdruck die nächsten Züge mitteilt. Darüber hinaus gibt es auch sogenannte Aufmerksamkeitsfelder und Leitlinien vom Bahnsteig bis zum Ausgang des Bahnhofs. Das alles sind Dinge, die einem sehbehinderten Menschen die Orientierung mit Blindenstock erleichtern.

Beim Verlassen des Bahnhofs jedoch wird es für Sehbehinderte sehr schwierig: Es gibt keine Information, dass direkt am Bahnhof keine Busse abfahren.  Der vorhandene Fahrplan am Ausgang des Bahnhofs ist irritierend, da nicht erkennbar ist, dass die Busse nicht direkt dort abfahren, sondern die Bushaltestelle an der Odenwaldstraße (B419) nur über einen langen und steilen Fußweg erreichbar ist. Für Sehbehinderte ist der Zugang zum Fußweg kaum oder gar nicht zu finden. Es gibt weder einen Wegweiser in Punktschrift (Braille), noch eine abrufbare Ansage für Blinde, die darauf hinweist.

Diese und weitere Mängel haben Mitglieder des Teilhabebeirats bei einer Ortsbegehung mit Herrn Karsten Kutschera (Bauamtsleiter) und Michael Müller (Behindertenbeauftragter der Stadt Darmstadt für barrierefreies Bauen und Mobilität) am Bahnhof in Traisa festgestellt. Der Ortstermin kam auf Initiative einer Arbeitsgruppe des THB zustande.

Da eine endgültige barrierefreie Neugestaltung des Bahnhofsbereichs erst dann durchgeführt werden kann, wenn feststeht, wie das Gebiet um den Bahnhof herum prinzipiell gestaltet werden soll, wurde angeregt, temporär Leitlinien auf dem Boden anzubringen. Diese Leitlinien führen Blinde und Sehbehinderte vom Bahnhof zum Abgang an die Odenwaldstraße.

Der Baumamtsleiter Karsten Kutschera zeigte sich sehr interessiert daran, den Bahnhof in Traisa barrierefreier zu machen. Herrn Kutschera wurden über den Teilhabebeirat Proben von aufklebbaren Leitlinien übergeben. Nun hofft der THB, dass zeitnah eine Lösung für mehr Barrierefreiheit gefunden werden kann.

„Wie wichtig Barrierefreiheit ist, weiß ich, seitdem ich selbst behindert bin. Leider habe ich erst jetzt die Bedeutung erkannt und wirke daher im Teilhabebeirat mit“, sagt Suzanne Petit. Wo stößt man als sehbehinderter Bürger in Mühltal an nicht allein zu meisternde Hürden und Hindernisse? Wo gibt es Verbesserungsbedarf? Wie können wir erreichen, dass sich jeder Mitbürger, mit und ohne Behinderung, wohl fühlt und zurechtfindet? Dies sind nur einige der Fragen, mit denen sich der Teilhabebeirat befasst und die er in Arbeitskreisen beleuchtet, um später im Gesamtgremium nach Lösungen zu suchen. Jeder soll am gesellschaftlichen Leben gleichermaßen teilhaben können. Ob jung oder alt, mit Geh-, Seh- oder anderer Behinderung, gesund oder krank. Dafür setzt sich der THB ein.

Der Teilhabebeirat der Gemeinde Mühltal sucht noch weitere Personen, die sich für die Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen Leben einsetzen wollen. Gesucht wird außerdem noch eine Person, die sich bereit erklärt, die stellvertretende Schriftführung zu übernehmen. Zurzeit trifft sich der Teilhabebeirat acht Mal im Jahr.